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Aktuelles: Bericht

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13. Mai 2020

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«Nicht alles ist abgesagt» – wie Kirche auch im Lockdown gelebt werden kann

Wenn Gottesdienste von einer Woche auf die andere in den virtuellen Raum wechseln müssen, kann man so Einiges lernen. Mit Erstaunen stelle ich fest: Auf meinem Laptop befindet sich doch tatsächlich ein bereits vorinstalliertes Videoverarbeitungsprogramm. Damit kann man Videos schneiden, zusammenfügen, untertiteln, und sogar bunte Effekte sind möglich (auf fliegende Einhörner und Ähnliches verzichte ich jedoch dankend). Und nun weiss ich auch endlich, wie man ein Video auf «YouTube» hochlädt. Gleichzeitig staune ich darüber, wie die digitale Datenpolizei des Videoportals jedes Musikstück erkennt, welches eine gütige Musikerin für meine Andachten einspielt und an dem irgendjemand noch Rechte besitzt. Ganz egal, ob dieses Stück gesungen, mit Block- oder Panflöte eingespielt wird, der elektronische Wächter erkennt alles. Sogleich teilt er mir scharf mit, dass deshalb Werbeeinnahmen aus meinen Videos nicht in meine Tasche gehen würden, sondern in die Tasche derer, welche die Rechte an den Musikstücken halten. Dass ich allerdings die Option «keine Monetarisierung des Videos» angewählt habe, ist dem virtuellen Blechpolizisten egal.

Hilfsbereitschaft und Smileys

Doch nicht nur kleine digitale Helferlein erleichtern mir die Arbeit in Zeiten von Corona. Ich erlebe, dass ich in einem Dorf zuhause bin, wo Hilfsbereitschaft noch grossgeschrieben wird. Egal ob ich Helfer für einen Einkaufsdienst oder Musikerinnen für meine Videoandachten suche, kaum ist meine Anfrage online, habe ich genügend helfende Hände zusammen.

Zurück zu den virtuellen Gefilden. Sitzungen per Skype, so stelle ich schmunzelnd fest, haben ihren ganz eigenen Humor. Etwa dann, wenn mitten in einer Online-Kirchenpflegesitzung entdeckt wird, dass man seinem Videobildschirm Smileys hinzufügen kann. Diese Erfahrung beweist: Ein gesunder Humor fördert das Sitzungsklima nachhaltig und eine gewisse Verspieltheit kann der Seriosität einer Sitzung eher nützen als schaden.

Neben modernsten Hightech-Geräten, deren Potential ich wohl kaum je ausschöpfe, auch wenn ich in den letzten Wochen Einiges dazugelernt habe, steht in meinem Büro ein recht antiquiertes Gerät herum, welches in diesen Tagen eine wahre Renaissance erlebt: das gute, alte Telefon. In meiner Arbeit wird es zum essentiellen Draht zu meinen Mitmenschen. Doch Gott sei Dank bleibt es nicht der einzige, denn auch «richtige» Begegnungen sind nach wie vor möglich.

Eindrückliche Begegnungen am Wegrand

Man könnte diese mit «Seelsorge auf dem Weg» benennen. «Peripatetiker» nannten sich im alten Griechenland die Schüler des Philosophen Aristoteles. Die Legende besagt, der Name leite sich vom griechischen Verb «peripatein», «herumwandeln» ab. Denn in der Schule des Aristoteles hätte man bevorzugt im Spazierengehen miteinander diskutiert und philosophiert. Auch wenn diese Geschichte wohl nicht der Wirklichkeit entspricht, so steckt trotzdem sehr viel Weisheit darin. Genau dies habe ich in den vergangenen Wochen immer wieder erlebt. Ab und an habe ich das schöne Wetter für einen Spaziergang durch die Wälder oberhalb unserer Gemeinde genutzt, vorzugsweise unter der Woche, wenn es etwas ruhiger ist und vor allem Bergdietikerinnen und Bergdietiker unterwegs sind. Dabei kam es zu eindrücklichen Begegnungen und Gesprächen am Wegrand. Der geforderte Mindestabstand von zwei Metern liess sich leicht einhalten, und manchmal sind wir ins Gespräch vertieft miteinander ein Stück Weg gegangen. Freud und Leid, scheinbar oberflächlicher Smalltalk und tiefergehende, persönliche Gespräche flossen ganz natürlich ineinander. Nach diesem Stück Weg, das wir miteinander geteilt hatten, haben wir uns wieder getrennt, im Wissen, dass wir nicht nur äusserlich, sondern auch innerlich eine Wegstrecke zurückgelegt haben.

Trotz all diesen schönen und bereichernden Erlebnissen spüre ich heute eine tiefe Sehnsucht nach den kleinen Dingen, die mir unendlich fehlen: Endlich wieder ein Gegenüber zu haben, wenn ich Gottesdienst feiere. Miteinander das Abendmahl teilen können. Ein gemütlicher Schwatz beim Kirchenkaffee, gemeinsames Singen und vieles mehr. Manches wird, wenn dieser Artikel erscheint, bereits wieder möglich sein, anderes wohl noch lange nicht. Aber Leben und «Kirche sein» gehen weiter, auch in erschwerten Zeiten.

Emanuel Memminger

Bericht: Reformierte Kirchgemeinde

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