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5. Oktober 2022

Reuss- und Limmattal wollen Druck machen auf die Kantone

Die Planungsregionen wollen mehr miteinander reden, um die interkantonale Verkehrsplanung zu verbessern. Diese klappt nicht wunschgemäss – das zeigen die Umleitungspläne zum K412-Ausbau und zur BDB-Doppelspur.

Schon mehrmals haben die Limmattaler Gemeinden moniert, dass sich der Kanton Zürich bei der Verkehrsplanung zu sehr auf die Längsachsen in den Tälern konzentriert und die Querverbindungen dazwischen ausser Acht lässt. Zudem werde der Aargau zu wenig miteinbezogen. Diese Kritik wurde auch an der Delegiertenversammlung der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) im Mai geäussert. «ZPL kritisiert Kanton wegen Tunnelblick», titelte die «Limmattaler Zeitung» damals.

Neustes Beispiel für das Problem: Baustellen blockieren in den nächsten Jahren gleich zwei Strassen, die das Reuss- und das Limmattal verbinden. Die K412 zwischen Widen und Bergdietikon soll von 2024 bis 2026 saniert und ausgebaut werden und auf der Dietiker Bremgartnerstrasse soll die Bremgarten-Dietikon- Bahn (BDB) von 2023 bis 2026 auf Doppelspur ausgebaut werden. Doch die Umleitungskonzepte seien «nicht aufeinander abgestimmt», kritisiert der Dietiker Stadtrat. Er sieht die Gefahr von Verkehrsüberlastungen in Bergdietikon und Mehrverkehr auf der Dietiker Hasenbergstrasse. Dies geht aus seiner Antwort auf eine Interpellation von Mitte-Gemeinderat Gabriele Olivieri und 23 weiteren Dietiker Parlamentsmitgliedern hervor. Die Umleitungen sollen durch die schmale in Bergdietikon führen, wo Tempo 30 gilt.

Der Stadtrat fordert, dass die Umleitungskonzepte angepasst werden. Aber hören die Kantone darauf? Ändern sie ihre Pläne? Die Zeit wird es zeigen.

«Leistungsfähige Achse durch den Berg fehlt»

Aber nur warten will der Stadtrat nicht. Am 9. August habe sich eine Delegation des Komitees «Vorwärts Limmattal», das von Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) präsidiert wird, mit Vorstandsmitgliedern des Regionalplanungsverbands Mutschellen-Reusstal-Kelleramt (ReplaMRK) getroffen, «um mögliche gemeinsame Interessen in der Verkehrsthematik, namentlich im Bereich der Querverbindung Reuss-/Limmattal, zu erörtern», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort an das Parlament. Beim Treffen habe sich gezeigt, dass die Zürcher und die Aargauer Seite mit identischen Problemen konfrontiert seien «und eine Intensivierung und Institutionalisierung der Gespräche von grossem Interesse und Nutzen sein könnte». Der Traum: ein neuer, grosser Tunnel. «Es fehlt eine leistungsfähige Achse durch den Berg», sagte kürzlich etwa Kurt Diem, Vorstandsmitglied vom Repla MRK.

Bachmann hat den ZPL-Vorstand über das Treffen informiert. Auch die ZPL wünscht, dass sich Reuss- und Limmattal regelmässig austauschen, etwa um Vorschläge zur Verbesserung der interkantonalen Verkehrsplanung zu diskutieren. «Gemeinsam sollen in der Folge die zuständigen Stellen der Kantone Aargau und Zürich zum Handeln bewogen werden», so der Stadtrat. Es ist offensichtlich: Er findet nicht, dass der Kanton die Dietiker Interessen bisher genügend unterstützt hat.

Lichtsignal als Dosierung: Stadt will nichts überstürzen

Ein weiteres wichtiges Thema für die Stadt Dietikon ist es, den Durchgangsverkehr in der Stadt zu reduzieren. «Um den Bestand, die zukünftigen Bedürfnisse und mögliche Probleme zu erfassen, ist bereits in diesem Jahr ein erstes Gespräch mit Vertretern des Kantons Zürich geplant», schreibt nun der Stadtrat. Für konkrete Massnahmen sei es aber noch zu früh.

Nach dem Gespräch mit dem Kanton will die Stadt weitere Gespräche führen, an denen auch der Aargau und Bergdietikon teilnehmen sollen. Das Ziel: eine grundlegende gemeinsame Strategie, um den Verkehr zwischen Reuss- und Limmattal zu lenken. Dosierungsmassnahmen wie etwa ein Lichtsignal zwischen Bergdietikon und Dietikon sollen interkantonal entwickelt und umgesetzt werden. Der Stadtrat hält fest, dass die Koordination zwischen Bergdietikon und Dietikon sehr gut funktioniere. Die Zusammenarbeit könne den Druck gegenüber den Kantonen erhöhen, «um eine Verbesserung für beide Gemeinden und die ganze Region zu erreichen».

Dietikon plant auch, ab 2023 ein Verkehrskonzept für den Südwesten der Stadt zu erarbeiten. Das Ziel: die Hasenbergund die Bremgartnerstrasse entlasten und den Durchgangsverkehr auf der Bernstrasse kanalisieren, damit Velofahren und zu Fuss gehen im Südwesten attraktiver wird.

Limmattaler Zeitung vom 5. Oktober 2022 (deg)

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