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26. September 2020

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Der gefrässige Dickmaulrüssler

In der heutigen Ausgabe schreibe ich über einen alten Bekannten. Dies aber aus aktuellem Anlass. Nebst der diesjährigen Blattlausplage hat sich uns in diesem Jahr noch ein anderes Insekt besonders gefrässig und pflanzenschädigend gezeigt: der Dickmaulrüssler. Wahrscheinlich begünstigt durch den milden Winter und das anfänglich feuchte Klima im Frühjahr, konnten sich die Dickmaulrüssler-Populationen besonders stark entwickeln. So sind in diesem Jahr bereits ab Juni die typischen halbmondförmigen Buchten-Frassstellen durch den Käfer an den Blatträndern unserer Pflanzen sichtbar geworden, was sich den Sommer hindurch noch verstärkte. Ein Garten auf dem Mutschellen zeigte uns sogar fast Kahlfrass durch den Dickmaulrüssler an Gehölzen und Stauden, was ich in diesem Ausmass bis jetzt noch nie gesehen hatte.

Beim Dickmaulrüssler ist es aber nicht nur der Käfer, der für unsere Pflanzen eine Bedrohung ist, fast schlimmer noch sind die Larven im Boden, welche anfänglich unentdeckt unter der Erde die Wurzeln der Pflanzen anfressen. Die Schäden zeigen sich leider oft erst dann, wenn die Pflanze an der Oberfläche welkt oder gar abstirbt, weil die Wasseraufnahme gestört ist.

Nachtaktiver Käfer

Hauptverantwortlich für die Schäden in unseren Gärten ist der gefurchte Dickmaulrüssler. Der nachtaktive, ca. 10 mm grosse Käfer kann nicht fliegen, wandert aber relativ grosse Strecken. Aktiv ist der Käfer vor allem von Mai bis September. Typischerweise befällt er die Blätter von Rhododendron, Kirschlorbeer, Erdbeeren und vielen weiteren Pflanzen. Es ist dann der klassische Buchtenfrass von den Blatträndern her zu erkennen. In der Blattmitte frisst er nur, wenn Beschädigungen nach Hagel oder durch Schrotschusspilz entstanden sind, wo der Käfer vom Innenrand her anfressen kann. Auch Thuja und Eiben befällt er gerne, da sind die Frassstellen zumindest anfänglich nur schlecht sichtbar. Ab Mitte August beginnt die Eiablage mit bis zu 1000 Eiern pro Käfer, welche er in die Erde legt, meist unter die bevorzugten Futterpflanzen.

Larven ohne Beine

Nach der Eiablage des Käfers im August schlüpfen die kleinen Larven im September und beginnen mit dem Frass an den Wurzeln von Pflanzen, was bis zum Absterben derer führen kann, wenn die Wasser- und Nähstoffaufnahme unterbrochen wird. Wenn die Pflanze dann welkt, ist es für eine vollständige Genesung oftmals schon zu spät. Die Larven verbleiben bis zur Verpuppung und somit Umwandlung zum Käfer im Boden bis Juni im darauffolgenden Jahr und schädigen über diese Zeitdauer Pflanzenwurzeln. Die Larven werden oft mit den Engerlingen des Mai- oder Junikäfers verwechselt. Gegenüber Engerlingen sind die Dickmaulrüsslerlarven jedoch beinlos.

Jetzt bekämpfen

Der Käfer lässt sich mit spezifischen Insektiziden im Mai/Juni bis September chemisch bekämpfen. Ein wirkungsvolles, biologisches Spritzmittel gibt es gegen den Käfer leider noch nicht. Eine Alternative zur chemischen Bekämpfung des Käfers sind jedoch Klebefallen, mit einem Gel darauf, der den Käfer mit Nematoden infiziert (ColeoStop, Andermatt Biocontrol). Auch eine gängige, nützlingsschonende Variante ist das Ablesen der Käfer von Hand in der Abenddämmerung oder das Auslegen eines Leintuchs und Abschütteln der Käfer vom jeweiligen Gehölz in der Nacht. Die Käfer müssen danach aber ebenfalls vom Leintuch eingesammelt und vernichtet werden.

Anders als beim Käfer haben wir bei der Bekämpfung der Larve, nebst chemischen Giessmitteln, ein sehr bewährtes, biologisches Mittel zur Verfügung: Bei Bodentemperaturen über 12 °C lassen sich Nematoden (Fadenwürmer/Älchen) ausgiessen (Meginem Pro, Andermatt Biocontrol), welche die Larven im Boden bekämpfen. Die Nematoden suchen aktiv nach Dickmaulrüsslerlarven. Befallene Larven hören nach wenigen Tagen auf zu fressen, verfärben sich rötlichbraun und sterben ab. In den toten Larven vermehren sich die Nematoden, strömen aus und suchen neue Larven auf. Wenn die Nematoden keine Larven mehr finden, sterben auch sie ab. Wichtig nach dem Ausbringen der Nematoden ist, dass mit dem Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln – vor allem in Bodennähe – zugewartet oder am besten gänzlich verzichtet wird.

Jetzt, im September bis Mitte Oktober, ist also der richtige Zeitpunkt, die Larven im Boden zu bekämpfen. Lassen Sie sich im Fachhandel beraten und lesen Sie die Anleitungen der bevorzugten Mittel. Vor allem beim Ausbringen von Nematoden sind Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Bodenfeuchtigkeit, Luft- und Wassertemperaturen zu berücksichtigen. Bei Unsicherheiten kontaktieren Sie vorgängig Ihren Gärtner.

Ich wünsche Ihnen einen goldenen Herbst

Stefan Häusermann
Eidg. Dipl. Gärtnermeister


Quellen: Andermatt Biocontrol (Abschnitt Bekämpfung mit Nematoden); Bild: Adobe Stock

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