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9. April 2019

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In ihrem Reich lässt sie der Natur den Vortritt

Das Fenchelkraut bahnt sich seinen Weg zwischen den Verbundsteinen. Daneben spriesst Zimbelkraut aus den Ritzen. Elisabeth Bollier denkt gar nicht daran, die Pflanzen, die vor ihrer Eingangstüre wachsen, auszureissen. «Ich lasse der Natur den Vortritt», sagt sie. Auf dem Fenchelkraut lege beispielsweise der Schwalbenschwanz seine Eier ab. «Jede Pflanze hat ihre Berechtigung. Unkraut gibt es in meinem Wortschatz nicht», sagt die 78-Jährige. Sie spreche von Wildkräutern. Die meisten davon könne man essen oder für Tees verwenden.

Der Blick von Bolliers Garten in Bergdietikon reicht über das Limmattal. Der Limmattower und das Dietiker Industriegebiet scheinen von hier verschwindend klein. Wer die Augen schliesst, dem Vogelgezwitscher und dem Rauschen des Oberen Dönibachs lauscht, fühlt sich dem Treiben im Tal sowieso unglaublich fern. Bolliers naturbelassener, 22 Aren grosser Garten neben dem Waldrand strahlt pure Idylle aus. Dass Rehe hier verweilen, der Dachs im Boden wühlt oder Frösche und Kröten im Teich laichen, erstaunt daher nicht. «Sie spüren wohl, dass es hier gut für sie ist», sagt Bollier.

Früher gewährte die Limmattaler Gartenexpertin Besuchern Einblick in ihre grüne Oase. «Ich habe mehrmals für die Aktion ‹Offener Garten› Leute bei uns willkommen geheissen und Führungen gemacht», erzählt die Seniorin. Doch vor einigen Jahren habe sie damit aufgehört. «Es wurde mir zu anstrengend. Die Leute kamen über den ganzen Nachmittag verteilt, und so führte ich dutzende Male durch den Garten», sagt Bollier. Heute geniesst sie ihr Reich mit ihrem Mann Eugen.

Fauxpas Forsythie

1981 zog das Paar von Dietikon nach Bergdietikon ins Grüne. Die Bolliers bauten ihr Haus auf einer Futterwiese eines Bauern. Bis der Garten so aussah wie heute, dauerte es eine Weile. «Diese Traubenkirsche war einmal ein kleines Stöckchen», sagt Bollier und zeigt auf einen prächtigen Baum in der Mitte ihres Anwesens. Jeden Strauch, jede Pflanze setzte sie selbst. Nicht immer habe sie jedoch eine gute Entscheidung getroffen. «Ich habe damals drei Forsythien gepflanzt, aber schnell gemerkt, dass das ein riesiger Fehler war. Der Zierstrauch ist hochgiftig, keine Biene, kein Insekt geht da ran», sagt Bollier und verwirft die Hände, als schäme sie sich auch nach fast 40 Jahren noch für ihren Fauxpas.

Die Sträucher mit den stechend gelben Blüten verbannte die Bergdietikerin schnell aus ihrer Grünanlage. Sie stehen nämlich genau im Widerspruch zu ihrer Philosophie: dem Einklang von Pflanzen- und Tierwelt. Dieses Bestreben findet in jeder Ecke ihres Gartens Ausdruck.

«Diesen Strunk haben wir bewusst hier platziert. Blindschleichen verstecken sich gerne im alten Holz», sagt Bollier und zeigt auf einen kurzen Baumstamm, der an der Hausfront angelehnt ist. Im Garten verteilt finden sich zahlreiche Haufen aus Ästen. Bollier schmeisst diese nicht in den Grünabfall. «Viele Singvögel wie etwa die Mönchsgrasmücke, der Zaunkönig oder das Rotkehlchen nisten am Boden. So ein Ästehaufen ist für sie wie für uns der Limmattower voller Wohnungen.»

Putzfimmel fehl am Platz

Das Schlimmste, was einem naturbelassenen Garten widerfahren könne, sei ein Putzfimmel der Besitzer. «Man sollte nach einem Windstoss das Laub nicht gleich wegwischen, sondern es liegen lassen. Die Blätter werden von Regenwürmern in den Boden gezogen. Sie dienen ihnen als Nahrung», erklärt Bollier und fügt an: «Haben Sie gewusst, dass der Regenwurm eines der stärksten Tiere der Welt ist? Er kann das 60- Fache seines Gewichts stemmen.»

Die automatischen Rasenmäher, die Tag und Nacht rumkurven, sind Bollier ein Graus. «Mir kommen fast die Tränen, wenn ich das sehe. Das Gerät ist der Tod für Insekten.» Manchmal sei weniger einfach mehr, kommt sie zum Schluss. «Man kann es auch positiv sehen. Mit einem naturbelassenen Garten hält sich die Arbeit in Grenzen.» Und doch: Das Zurückschneiden der Pflanzen vor allem Ende Sommer sei aufwendig. Ebenso die Pflege der beiden Biotope. Dazu aufraffen muss sich Bollier aber nie. «Ohne meinen Garten würde es mir nicht gut gehen», ist sich die Seniorin sicher. Er halte sie vital. Sie brauche den Kontakt zur Erde, habe immer dreckige Füsse und Hände, sagt sie und lacht.

Aus dem Gartenhäuschen, das unter der Pracht des Wilden Knöterichs und des Wilden Weins beinahe verschwindet, holt Bollier einen weissen, durchlässigen Behälter. «Das werden einmal Kleine Nachtpfauenaugen», sagt sie und zeigt auf die verdorrten Äste im Behälter. Bei näherem Hinsehen entdeckt man zahlreiche braune Kokons zwischen den Blättern. «Bald schlüpfen Schmetterlinge daraus», sagt Bollier und ihre Augen strahlen.

Derweil hat sich ein Entenpaar im oberen Teich niedergelassen. Die Vögel planschen im Wasser. Bolliers Ehemann muss beim Zusehen schmunzeln. «Wir müssen uns der Natur anpassen, auf sie hören und dankbar sein, wenn Pflanzen gedeihen und Tiere kommen», sagt Bollier. Doch der Mensch wolle zu viel oder das Falsche. «Pflanzen wachsen nur gut an den für sie geeigneten Standorten. Unser Boden hier ist lehmig. Für Gemüse ist das zum Beispiel schlecht, deshalb baue ich auch keines an.» Der beste Tipp, den sie Garten-Anfängern geben könne, sei, sich das Gelände anzuschauen und sich über die Bodenbeschaffenheit zu informieren. Beim Spazieren im Wald solle man ebenso die Augen offen halten. «Die Natur ist der beste Ratgeber. Man sieht, welche Pflanzen harmonieren und welche nicht.»

Aktuelle Trends wie Hochbeete, Steingärten und Rollrasen verfolgt sie mit Skepsis. «Es ist schön, sieht gut aus und ist pflegeleichter, aber für die Natur ist es eine Katastrophe.» Kein Gemüse oder Kraut würde wohl freiwillig in ein Hochbeet gehen. «Da findet sich weder ein Wurm noch eine Ameise.» Bei Neophyten ist Bollier nicht ganz so streng. Es sei wichtig, sie im Griff zu haben oder sie erst gar nicht zu setzen. «Doch an meinem Sommerflieder hänge ich. Für Insekten ist er eine tolle Weide.»

Vom Grossvater geerbt

Den grünen Daumen hat Bollier von ihrem Grossvater geerbt. «Ich habe ihn zwar nie kennen gelernt, doch seine Bücher über Wildblumen fielen mir als Kind in die Hände.» Bereits damals spürte sie eine tiefe Verbundenheit zu Flora und Fauna. «Ich sträubte mich, Unkraut zu entfernen, wenn ich meinen Eltern bei der Gartenarbeit helfen musste», erinnert sie sich. Bollier wäre gerne Gärtnerin oder Floristin geworden. «Doch zu dieser Zeit war es wichtig, einen vernünftigen Beruf zu erlernen.» So liess sie sich zur Kauffrau ausbilden. Der Garten und ihre Tätigkeit als Musikerin und Malerin gaben ihr die nötige Abwechslung. Bisher schaffte es Bollier nicht, ihre Freude an der Natur und am Garten ihren Kindern oder Enkeln weiterzugeben. «Wenn sie eine Spinne über den Platz krabbeln sehen, rennen sie davon.» Doch sie hat Hoffnung. «Ich habe den grünen Daumen auch nicht von meinen Eltern. Vielleicht überspringt es ein paar Generationen.»

Der Wind rauscht durch den Bärlauch und die Mönchsgrasmücke setzt ihr Konzert fort. «Der Frühling ist im Anflug. Man kann ihn förmlich hören und riechen», sagt Bollier. Für sie ist es die schönste Jahreszeit. «Der Augenblick, wenn alles wieder zu neuem Leben erwacht, ist unglaublich.» Auch wenn sie es schon zigfach erlebt habe, so freue sie sich jedes Mal darauf und werde immer wieder von neuem überrascht.

Limmattaler Zeitung vom 6. April 2019 (Sibylle Egloff [Text], Colin Frei und Claudio Thoma [Fotos])

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