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Aktuelles: Bericht

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5. Juli 2017

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Der Mann, der den See behütet

Am Beginn seines Tages steht immer der Egelsee. Oft ist er schon um fünf Uhr oben und schaut nach dem Rechten. Der Bergdietiker Rudolf Vogel (67) ist «Aufseher Naturschutzgebiet und Fischerei Egelsee». 1983 war das ganze Areal um den See von der Gemeindeversammlung Bergdietikon unter Naturschutz gestellt worden. Die Deklaration zum Naturschutzgebiet durch den Aargauer Grossen Rat folgte 1987. Im Jahr 1992 kam auch noch das an der Südseite des Sees gelegene Flachmoor dazu. Seit dieser Zeit sorgen Egelsee-Aufsichtspersonen für den Schutz der Natur. Im Auftrag der Gemeinde Bergdietikon und des Fischereivereins Egelsee sollen sie über das ganze Jahr hinweg für die Einhaltung der Schutzregeln sorgen und am Ende des Jahres einen Bericht über ihre Arbeiten und Beobachtungen erstellen.

Vogels Vorgänger war der Spreitenbacher Dorfpolizist Sigmund Bebie, der im Jahr 1989 142 Kontrollgänge notierte. Dabei büsste er eine Gruppe, die am See zelten wollte, einen Hundehalter, der keine Leine benutzte, eine Gruppe von Frauen, die mit einem Schlauchboot über den See schippern wollten, vier Mofa- und acht Autofahrer. Weitere häufige Zuwiderhandlungen: verbotene Feuerstellen und zurückgelassener Abfall. Mit unbefugtem Grillieren, Müllsündern und freilaufenden Hunden kennt auch Rudolf Vogel sich aus, der nach dem Tod Bebies im Jahr 1996 den Dienst übernahm. Die «Sünden» sind über die Jahre stets ähnlich geblieben.

«Sauerei» am Sonntagmorgen

Auch Vogel listet in seinen Jahresberichten etwa 150 Besuche im Jahr auf. Das sind aber nur die, an denen es auch etwas Berichtenswertes gab. «Ich bin viel öfter vor Ort, mindestens einmal am Tag, oft sogar mehrmals, vor allem, wenn das Wetter gut ist und mehr Leute den See aufsuchen», so Vogel. Beim morgendlichen Besuch hat er dann oft die Spuren zu beseitigen, die Besucher in der Nacht hinterlassen haben, darunter auch viele Glasscherben. Eine besondere «Sauerei» an einem Sonntag im letzten Jahr hat Vogel in unangenehmer Erinnerung. Der volle 200-Liter-Abfallsack war in den WC-Container geleert worden. Das alles wieder sauber zu machen, war seine erste Arbeit an diesem Sonntag.

Auf die Frage, ob er auch mal laut wird, sagt er schlicht: «Eigentlich nicht.» Die meisten Seebesucher seien ja «gute Leute» und nachts sei wohl oft Alkohol im Spiel. Ärgerlich sei nur, dass er mit den unbekannten Tätern nicht reden kann, um sie zum Nachdenken zu bringen. Wenn er Leute auf Verstösse anspreche, käme es zwar schon einmal vor, dass sie «blöd» täten, auch beschimpft sei er schon worden. Aber die meisten seien ganz verständig. «Ich sage dann, dass ich keinen Krach mit ihnen will und nur meine Arbeit tue.» Das würde oft verstanden. Einmal fand er von einem «Sünder», dem nachträglich die Einsicht kam, eine Tafel Schoggi im Briefkasten. Diese Begebenheit verwundert nicht, denn Vogel ist von ausgleichendem Wesen. Den Tätern grollt er meist nicht lange.

Er kann auch mal ein Auge zudrücken, vor allem, wenn die Leute sich einsichtig und vernünftig zeigen. «Wenn etwa ein Hundebesitzer kurz den Leinenzwang beiseite und sein Tier in den See springen lässt, dann bin ich nicht streng.» Augenmass ist ihm wichtig.

Auch ein PS darf nicht sein

Das Problem sei, dass es heute viel mehr Leute als früher sind, die den Freizeitwert des Gebiets und die Naturschönheiten am See zu schätzen wissen. Hinzu komme, dass Ausnahmebewilligungen, um etwa mit dem Auto hinaufzufahren, praktisch nicht zu bekommen seien. «Die zuständige Regionalpolizei Wettingen handhabt das sehr strikt», so Vogel. Auch Gehbehinderte bekämen keine Bewilligung. Manche Seebesucher wollten das Fahrverbot nicht akzeptieren. Von Vogel ertappt gestehen sie kleinlaut, dass sie nur schnell die schweren Sachen hinauffahren wollten. Aber bei motorisierten Fahrzeugen drückt Vogel kein Auge zu und bietet die Polizei auf.

Das kann auch bei nur einem PS passieren: Pferde haben «Zutrittsverbot» im Naturschutzgebiet Egelsee. «Mit Pferdebesitzern kann ich sehr strikt werden. Die lasse ich alle kehren.» Die Ausflüchte «Ich habe das Fahr-/Pferdeverbotsschild nicht gesehen» kennt er nur zu gut. Auf Nachsicht zählen konnten auch die Seebesucher nicht, die vor ein paar Jahren trotz der hohen Waldbrandgefahr und eines kantonalen Feuerverbots am See grillieren wollten. Vogel: «Wir hatten alle acht Feuerstellen abbauen müssen, aber das hat sie nicht gekümmert.» Eine saftige Busse war die Folge.

Der Hecht hilft mit

Hin und wieder helfen ihm Spaziergänger spontan beim Abfalleinsammeln. Ausserdem erhält er, wenn es schlimm kommt oder gröbere Arbeiten zu erledigen sind – etwa umgestürzte Bäume vom Wanderweg zu schaffen – Unterstützung von seinem Sohn Reto Vogel und Peter Schmid, die beide im Gemeindewerkhof arbeiten.

Immerhin kennt Vogel wenige Wiederholungstäter. Auch nicht bei den Fischerei-Frevlern. Ohne Patent des Vereins darf man im See nämlich nicht fischen; es handelt sich um einen Privatsee. Regelmässig muss der Seeaufseher für seine Aufgaben Fischerei-Kurse in Aarau besuchen. Manchmal erhält er bei diesen Aufgaben auch Hilfe von ungewöhnlicher Seite. Hin und wieder gebe es Leute, die ihre Zierfische im See aussetzen, erzählt Vogel. Wie er die wieder rausholt? «Gar nicht. Das erledigt der Hecht für mich», meint Vogel lakonisch und lacht.

Limmattaler Zeitung vom 5. Juli 2017 (Text: Gabriele Heigl, Foto: Alex Spichale)

Egelsee-Knigge

Ausser den üblichen Regeln für Naturschutzgebiete, wie auf den Wegen zu bleiben, Hunde anzuleinen und nichts zu pflücken, gibt es am Egelsee noch ein paar Besonderheiten: Es herrscht kein Reit-, sondern ein Pferdeverbot. Das heisst, man darf sie auch nicht am Zügel durch das Gebiet führen.
  • Schwimmhilfen sind nicht erlaubt. Das betrifft beispielsweise Luftmatratzen, aber auch Kinder-Schwimmflügel.
  • Für die acht Feuerstellen muss man das Holz selbst mitbringen.
  • Die seltenen Krebse im See aus dem Wasser zu heben, ist nicht erlaubt.
  • Das gehbehinderte Grosi mit dem Auto zum See hochfahren – das bleibt selten unbeobachtet und wird gebüsst.
  • Eine Angel in den See werfen? Ohne gültiges Patent kann das teuer werden.
  • Auch das Füttern von Tieren sollte man lieber unterlassen.

Seeaufseher-Prosa

Perlen aus den Jahresberichten von Rudolf Vogel
  • 9. Januar 2016, 20 Uhr: «Acht Personen geniessen ein Fondue beim Sprungturm.»
  • 2. August 2016, 8 Uhr: «Unbekannte fällen eine zirka 25 Zentimeter dicke Tanne und bringen es fertig, dass diese genau auf das WC-Häuschen stürzt und dieses beschädigt. Das nenne ich eine grosse Dummheit.»
  • 13./14. August 2016: «Heisses Sommerwetter zieht viele Leute und mit ihnen viel Abfall an den Egelsee.»
  • 25. September 2016, 8 Uhr: «Ich finde den 200-Liter-Abfallsack ausgeleert im WC-Container und benötige über 30 Minuten, um mit der Abfallzange die Sauerei aufzusammeln und wieder in Säcke abzufüllen. Der oder die Täter stufe ich als dumm oder blöd ein, höchstwahrscheinlich beides zusammen.»
  • 26. Dezember 2016, 17 Uhr: «14 Personen aus Kindhausen machen einen Familien-Apéro im Naturschutzgebiet und geniessen dann das Nachtessen zu Hause. En Guete!»
  • 21. Januar 1996, 16 Uhr: «Eine Familie vermisst ihren 13-jährigen Knaben am Egelsee; er wurde um 19 Uhr in Remetschwil gefunden.»
  • 2. März 1996, 15 Uhr: «Eine Pfadiübung im Schutzgebiet wird nach einem Gespräch abgebrochen.»
  • 17. März 1996, 9 Uhr: «Mercedes am See; Besitzer wird angezeigt und gebüsst.»
  • 2. April 1996, 17 Uhr: «Letztes Egelsee-Eis dieses Winters geschmolzen.»
  • 26. April 1996, 16 Uhr: «Wandergruppe aus Berikon (16 Personen) besuchte den See. Einer will den Helden auf dem Sprungturm markieren – prompt muss er mit nassen Kleidern den Heimweg in Angriff nehmen …»
  • 24. Mai 1996, 19 Uhr: «Unbekannte warfen den Rettungsring in den See; nach drei Tagen konnte ich ihn am Risiufer wieder herausfischen und beim Sprungturm deponieren.»
  • 19. Juni 1996, 21 Uhr: «Orientierungsläufer befinden sich im Schutzgebiet, sie werden weggewiesen.»
  • 1. August 1996, 8 Uhr: «Drei Fischer versuchen ihr Glück ohne Bewilligung; als sie mich erblicken, suchen sie das Weite in Richtung Spreitenbach. Pech gehabt …» 20 Uhr: «Etwa 30 Personen wollen den 1. August mit Feuerwerk am See verbringen. Auf die Worte ‹Feuerwerk verboten im Naturschutzgebiet› packten sie zusammen und pilgerten Richtung Hasenberg.»
  • 8. August 1996, 14 Uhr: «Rundgang mit Herrn Enz vom Limmattaler Tagblatt um den See. Davon erschien ein kurzer Bericht in der Zeitung.» (GAH)

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